Der GAU in Japan

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Besteht für uns in Deutschland eine unmittelbare Gefahr?

Derzeit kann man davon ausgehen, daß Menschen in Europa nicht direkt von der Katastrophe in Japan betroffen sind. Da es aber leider keine Langzeiterfahrungen gibt, läßt sich im Moment noch nicht sagen, wie sich dieser GAU über die nächsten Jahre und Jahrzehnte auf uns auswirken wird. Es ist aber nicht ratsam, jetzt Hamsterkäufe zu tätigen oder in Panik zu verfallen!

Wie weit ist Fukushima von Deutschland entfernt?

Wir nehmen den Raum Göttingen / Kassel als Messpunkt an. Die Luftlinien - Entfernung zwischen dieser Region und dem Unglücksreaktor in Japan beträgt ca. 9000 km.

Was sind die Unterschiede zwischen der Situation in Fukushima und dem Unfall von Tschernobyl?

Bei Tschernobyl handelte es sich um einen so genannten Reaktivitätsunfall; also eine schnelle, sich selbst verstärkende Leistungssteigerung. Voraussetzung für den Ablauf war u.a. die Bauweise mit getrennten Funktionen für Wärmeabfuhr (Wasser) und Neutronenmoderation (Graphit). Selbst nach Verlust des Kühlwassers blieb die Kettenreaktion erhalten, da der Graphit weiterhin die bei der Spaltung entstandenen schnellen Neutronen auf die für eine Kettenreaktion erforderlichen Geschwindigkeiten heruntermoderieren konnte.

In Leichtwasserreaktoren ist eine Fortsetzung der Kettenreaktion ohne den Moderator physikalisch ausgeschlossen. Denn das Wasser ist Kühlmittel und gleichzeitig Moderator. Wenn also das Wasser entweicht, wird zwar die Nachwärme nicht mehr abgeführt, jedoch auch die Kettenreaktion unterbrochen.

In Tschernobyl ist eine Kombination aus menschlichem Fehlverhalten, Auslegungsdefiziten und mangelnder Aufsicht aufgetreten, in Japan ausschließlich die kombinierte Wirkung von zwei auslegungsüberschreitenden Ereignissen, dem schweren Erdbeben und dem Tsunami.

Die japanischen Reaktoren schalteten sich auslegungsgemäß automatisch ab, als die Seismometer ansprachen. Damit wurde die Kettenreaktion in den Reaktoren unterbrochen. Durch den gleichzeitigen Zusammenbruch der Hochspannungsnetze sind die Anlagen zunächst im Notstrombetrieb gelaufen, bis der Tsunami die Notstromanlagen zerstörte. Die Reaktoren haben sich bis zum (Teil- ) Schmelzen des Brennstoffs aufgeheizt, da auch die eingeleiteten Notfallmaßnahmen nur noch eingeschränkte Wirkung zeigten. Diese Vorgänge dauerten Tage.

In Tschernobyl geriet der Reaktor dagegen bei vollem Betrieb in einen instabilen Zustand, der in eine unkontrollierte Kettenreaktion mündete. Hinzu kam wahrscheinlich eine zweite Wasserstoffexplosion, der als Moderator verwendete Graphit geriet in Brand.

Während der folgenden Tage wurden große Mengen an Radioaktivität in die Luft freigesetzt und durch die Auftriebswirkung des Brandes in große Höhen getragen.

Anders als in Fukushima gab es in Tschernobyl keine zusätzliche Schutzhülle (Containment). Der Wind verteilte die Radioisotope über ganz Europa. Es wurden mindestens 5 Prozent des Kerninventars in die Atmosphäre getragen.

Kann Radioaktivität aus Japan auch nach Deutschland kommen? Wird es schlimm für uns werden?

In die Atmosphäre freigesetzte radioaktive Stoffe werden mit dem Wind verteilt. Dabei nimmt die Konzentration der radioaktiven Stoffe in der Luft im Allgemeinen mit wachsender Entfernung vom Unfallort kontinuierlich ab und somit auch ihre Schädlichkeit für Gesundheit und Umwelt. Zusätzlich nimmt die Konzentration der radioaktiven Stoffe auch dadurch ab, dass einige Radionuklide während der Zeit, in der die Stoffe über die Atmosphäre über weite Strecken transportiert werden, bereits zerfallen. Dies trifft zum Beispiel auf radioaktives Jod zu.

Auch das Auswaschen der radioaktiven Partikel aus der Atmosphäre bei jedem Niederschlag trägt dazu bei und verringert die Menge an Radioaktivität, die mit einer so genannten radioaktiven Wolke nach Europa transportiert wird. Dies führt dazu, dass in Europa zwar die Radioaktivität gemessen werden kann, aber keine gesundheitlichen Auswirkungen erwartet werden.

Sehr gute und detaillierte Informationen kann man auf der Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz finden!

Hier können bei Interesse auch die Messwerte der deutschen Station Schauinsland abgefragt werden!


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